Die Lichtung
Bei dieser kleinen Wiese handelt es sich um einen besonders vielfältigen Platz. In der Mitte ist es sowohl sonnig und warm, rundherum eher feucht und schattig.
Text: Céline Vuitton und Mirko D’inverno, Feldbotaniker
Ein kleiner Halt beim Hochgehen genehm? Ein idealer Ort dafür! Insbesonders wenn Sie Vieh treiben. Sie befinden sich in der Tat bei einer ehemaligen Altarstelle auf dem Weg zu den Bergweiden.
Auf dieser Höhe dominiert die gemeine Fichte (Picea abies) den Wald; genannt „pessière“ (der Fichtenwald). Ohne das Eingreifen durch den Menschen würde er schnell die Lichtung für sich beanspruchen. Das aus forstwirt-schaftlichen Gründen gepflanzte Hainveilchen (Viola riviniana) breitet sich bereits auf der ganzen Wiese aus. Es zeigt, dass der Wald nah und seine Kühle zu spüren ist.
Bei dieser kleinen Wiese handelt es sich um einen besonders vielfältigen Platz. In der Mitte ist es sowohl sonnig und warm, rundherum eher feucht und schattig. Dieser Gradient bie-tet eine Vielzahl an Bedingungen, die eine rei-che Flora ansprechen. Wie etwa die Wirkung von Ökoton (ökologische Übergangszone zwischen zwei Ökosystemen).
Pflanzen, die den Halbschatten und solche die viel Sonne bevorzugen
Der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvati-cum), mit seinen dunkel bläulich- bis rötlich-purpurnen Blüten, die eine weisse Mitte ha-ben, ist vorallem bei Waldlichtungen und im Halbschatten zu finden.
Dies trifft auch auf die Schneeweisse Hainsimse (Luzula nivea) zu, unverkennbar an ihren schneeweissen Blüten-blätter sowie den grasgrünen Blätter, welche am Rand und auf der Fläche lang bewimpert sind.
Das gefleckte Ferkelkraut (Hypochaeris ma-culata) hingegen wächst in der Mitte mit viel Sonnenschein. Es hat gelbe Blüten, die dem Löwenzahn ähnlich sehen, aber seine grundständigen Laubblätter sind rosettig, kurz steif-haarig und liegen dem Boden angedrückt und oft bräunlich-violett gefleckt. Ein Platz an der Sonne gefällt auch den stachligen Disteln, namentlich der Silberdistel (Carlina acaulis). Ihre Blätter werden gern mit denen der Kratzdistel (Cirsium acaule) verwechselt, ihre Blü-ten sind jedoch sehr unterschiedlich. Die einen sind weiss, die anderen purpurrot. Seht Ihr sie?
Tierherden sind hier vorbeigekommen
Aufgrund seiner Lage handelt es sich um sehr kargen Boden (nährstoffarm). Der gerodete Hang und der drainierte Boden fördern die Erosion von Nährstoffen. Beweis dafür ist die Anwesenheit einer Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), welche kargen Boden, Sonne und Trockenheit liebt. Ihre gelben oder roten Blüten gleichen einer Dolde, die Blätter sind schmal linealisch und dünn; weniger Fläche, daher weniger Wasserverlust.
Aber auch das Kriechende Fingerkraut (Po- tentilla reptans) ist zu finden (auch Kriechen- der Gänserich genannt), es bevorzugt nähr- stoffreichen Boden (insbesondere stickstoff- haltigen) undhält das Getrampel der Tiere aus!
Es ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit kleinen gelben Blüten. Seine lang gestiel- ten Laubblätter sind fünfzählig gefingert und am Rand gezähnt.
Die Mischung aus dem nährstoffreichen, nie- dergetrampelten und dem nährstoffarmen Boden bestätigt das Vorbeigehen von Tier- herden, welche den Boden mit ihrem Kot auf natürliche Weise angereichert haben.











