Der Name dieses Waldbestandes: Zau Zoura, im einheimischen Dialekt Patois (verschworener Wald), ist auf die Entscheidung der Dorfbewohner zurückzuführen, ihn unter Verbot zu stellen. Sich der Schutzfunktion des Waldes vor Lawinen und Steinschlag vollumgänglich bewusst, haben sie während Jahrzehnten das Fällen von Bäumen untersagt.
Das Verbot für diesen Wald hat zu einer mas-siven Verdichtung des Waldbestandes geführt. Die immer älter werdenden Bäume haben verhindert, dass das Licht und ein grosser Teil der Niederschläge den Waldboden erreichten. Ohne diese beiden abiotischen Faktoren könnten Samen nicht keimen und keine natürlichen Jungbäume entstehen. So kam es, dass Ende der 1980-er Jahre die meisten Stämme der Gemeine Fichte Anzeichen von fortgeschrittener Alterung und markanter Instabilität aufwiesen.
Überprüfungen nach dem Sturm Vivian, am 21. und 22. Februar 1990, welcher mehr als 80 % der Bäume auf einer Fläche von 4,5 Hektar zum Umstürzen brachte.
Das Auftreten von Unwettern: Feuer, Stürme, Lawinen, ist aus ökologischer Sicht an und für sich nicht sehr problematisch. Tatsächlich wird durch das Verschwinden eines regelmässigen und dichten Waldbestandes anderen Wesen die Möglichkeit gegeben, diesen Raum für sich in Anspruch zu nehmen. Alle finden mittelfristig ihren Platz, wenn sie den Raum und die verfügbaren Hilfsmittel nutzen, um dadurch ein neues, reichhaltiges und ausgeglichenes Ökosystem zu schaffen. Im Gegensatz dazu betrachtet der Mensch diese Ereignisse als Naturkatastrophen, weil durch das Verschwinden des Schutzwaldes seine Infrastrukturen bedroht werden: Dörfer, Strassen und andere Bebauungen.
Im Anschluss an den Sturm wurden beträchtliche Bauarbeiten durchgeführt, um das Dorf Ayer und die Kantonsstrasse Vissoie-Zinal zu schützen. Zuerst wurden Lawinenverbauun-gen und Holzböcke erbaut. Diese technischen Massnahmen waren für die frisch gepflanzten Jungbäume, d.h. für mehr als 10’500 Lärchen und 3‘000 Ebereschen (Vogelbeere), ein wirksamer Schutz gegen die Schneemassen. Um einen Pflanzungserfolg zu garantieren, wurde auch ein Bewässerungssystem mit tropfweiser Versorgung eingerichtet. Fünf Jahre später war zu erkennen, dass 95 % der Jungpflanzen überlebt hatten.
2016 haben wir einen verjüngten und gemischten Wald vor uns, mit Lärchen, Gemeinen Fichten und Arven. Dazwischen Hartholz: Vogelbeere und andere Weidenbäumchen, welche den Huftieren als Futterpflanzen dienen, und schlussendlich der Waldboden, endeckt mit einer Vielzahl von krautigen Pflanzen. Lichtungen schmücken und durchdringen die Bewaldung und stellen eine schöne und reichhaltige Artenvielfalt sicher. Diese heterogenen strukturellen Elemente sind die Anfänge eines halbdurchlässigen und abwechslungsrei-chen Waldbestandes, welche dem Waldgebiet Zau Zoura immer wieder die Möglichkeit ge-ben, seine Schutz-, Produktions- und Sozial-funktion zu erfüllen.