Der Wildbach
Der Mühlenwildbach (le torrent des moulins)
seine Quelle, seine Flora und sein Dorf
Natürliche Quellen
Die Wasserkraft des Wildbaches wurde zum Betreiben einer Säge, eines Butterfasses und vorallem für die Dorfmühle genutzt, welche dem Wildbach seinen Namen gab.
Dieser ent- springt auf 2200 Meter Höhe am Zusammen- fluss von zwei geologischen Schichten, wie die meisten Bäche, welche Ayer und Mission mit Wasser versorgen. Quellen sind Orte, wo dauerhaft Wasser auf natürliche Weise an der Geländeoberfläche austritt; durch sie entste- hen bachabwärts Feuchtgebiete mit grosser Seggenansammlung, die Wurzeln dieser Pflan- ze können im Wasser um die 6 Grad überle- ben. Einige solcher Quellen sind in «Moyes» zu finden, feuchte und sumpfige Stellen werden oftmals so genannt.
Alle Dörfer sind in der Nähe eines Baches erbaut worden
Das Wasser der Wildbäche bahnt sich seinen Weg entlang der Falllinie. Dadurch entstehen Gräben von unterschiedlicher Grösse, lediglich Pflanzen in unmittelbarer Nähe profitieren von dieser regelmässigen Wasserversorgung. Da-mit die Felder und Wiesen bewässert werden konnten, wurden viele Wasserläufe gebaut, die berühmten Walliser Suonen (bisses). Die Zeiten zur Bewässerung waren streng gere-gelt, wehe denen, die sich nicht daran hielten und das Wasser ausserhalb ihrer Zeit umleite-ten! Alle Dörfer sind in der Nähe eines Baches erbaut worden, da das Wasser neben seiner Wasserkraft und zur Bewässerung der Felder und Wiesen auch zur Tränke der Tiere und zum Waschen gebraucht wurde. Die Metzgerei so wie Molkerei befinden sich nah des Bachs, das Wasser ist für die Reinigung der Räume und der Werkzeuge unerlässlich, wie auch um Pro- dukte in Behältern, welche ins fliessende Wasser gelegt werden, kühl zu halten.
Ein angepasstes Ökosystem im Wildbachtal
Gebraut und gerührt sieht das Wasser, wel-ches stark mit Sauerstoff angereichert ist, milchig aus. In den durch die Wildbäche ent-standenen Täler weht ein frischer Wind und wird vom Wassergeräusch erfüllt. Abends sinkt die schwere Kaltluft von den Bergen durch die Wildbachtäler ab und auf ein paar Dutzend Meter kann es bis zu 10 Grad kühler werden. Bei Einbruch der Dämmerung verlassen die Tiere ihre Zufluchtsorte und begeben sich zur Tränke ans Bachufer, wo wir ihre Spuren erken-nen können. Forellen kämpfen sich durch die starke Strömung der Wildbäche bis zu den Al-men hoch. An Feuchtigkeit, Kälte und Schatten angepasste Pflanzen wie die weisse Pestwurz (Petasites albus), erkennbar an ihren breiten Blättern, und der Meisterwurz (Peucedanum ostruthium) sind auch zu entdecken.
Diesen Wildbach finden Sie etwas oberhalb. Er fliesst bei der Strasse durch, wo sich darun-ter ein Reservoir befindet, welches sich beim Schliessen eines Ventils auffüllt und im Fall ei-nes Brandes zur Wasserversorgung gebraucht wird. Obwohl es von seinem Ursprung bis zur Navizence weniger als zwei Kilometer sind, hat er viel zur Gründung des Dorfes Ayer beige-tragen.
Text: Manu Zufferey, Alpenwanderleiter







