Der Schutzwald
93.05 % des Waldes im Val d’Anniviers ist Schutzwald.
Text: Claude Salamin, zuständiger Forstwart im Val d’Anniviers
93.05% des Waldes im Val d’Anniviers ist Schutzwald. Der Wald Zau Zoura, oder „Ban d’Ayer“ ist das beste Beispiel für einen Schutzwald, der über einem Dorf wacht. Unsere Vorfahren haben vor langer Zeit ein „Verbot“ erlassen, welches das Fällen von Bäumen verbietet. Aber dieser extreme Schutz hat dazu geführt, dass ein Neubestand durch die immer älter werdenen Bäume verhindert wurde, da sie Jungtrieben nicht genügend Platz gelassen haben.
Seit einigen Jahren werden im Wallis wie-der verstärkt Bäume gefällt. Der Betrachter kann auf den ersten Blick erkennen, dass sich die heutigen Techniken deutlich von den früheren unterscheiden. Einschneidende Verän-derungen sind: die Grösse der Zielflächen, die Mechanisierung der Interventionen und das tote Holz auf dem Waldboden. Die Bäume im Bergwald wachsen in Gruppen und brauchen Licht, um sich zu entwickeln. Die Forstwarte schaffen Lücken, indem sie grosse instabile und abgestorbene Bäume fällen, deren Schat-ten eine Erneuerung nicht zulassen. Dank diesen Flächenöffnungen im Wald Zau Zoura ist langsam eine Verjüngung zu erkennen und die Stellen werden nach und nach aufgeforstet. Die Schutzfunktion des Waldes gegen Natur-gefahren ist gewährleistet, gleichzeitig wird die Biodiversität unterstützt, welche für das Leben von Insekten, Vögel und anderer Tiere essenziell ist.
Auf diesen Flächenöffnungen wächst genug Nahrung für die Huftiere, so dass die Entwick-lung des Waldes nicht durch Hirsche oder Rehe gefährdet ist. Die Zweige werden nicht aufgestapelt, oftmals unverständlich für die Bevölkerung. In der Natur ist einsammeln und aufstapeln nicht nötig. Das auf dem Waldboden liegende tote Holz zersetzt sich mit der Zeit und bereichert den Wald mit Humus. Die Bäume werden durch die Forstwarte vom Forstamt Val d’Anniviers ungefähr einen Meter vom Boden abgeschlagen, die Baumstümpfe werden als Schneestopper genutzt, zur Ab-schwächung von Steinschlag und um Jung-wuchs zu schützen.
Die hauptsächlichen Gefahren für einen Schutzwald sind Feuer, Befall durch Borken-käfer und der starke Druck von Freizeitaktivitäten wie freies Skifahren abseits der Pisten, Schneeschuhtouren oder Mountain-Bike-Fahren auf nicht ausgeschilderten Routen. Die Wildtiere werden durch diese Aktivitäten stark beeinträchtigt und der Druck auf die Wälder wächst. Wir können unsere Schutzwälder nur erhalten, wenn wir die Ruhe- und Schutzzonen respektieren, kein Feuer entfachen, die Hunde an der Leine führen, auf den markierten We-gen und gespurten Trails bleiben.
Der Bergwald ist ständigen Veränderun-gen unterworfen. Die geleisteten Arbeiten der Forstwarte werden vielmals als krass bezeichnet, aber die heutigen Erkenntnisse er-lauben es ihnen, das Naturpotential bestens abzuschätzen. Die durchgeführten Fällungen sorgen für eine Verjüngung des Waldes und wir können weiterhin von seinen zahlreichen nachhaltigen Angeboten profitieren. Genies-sen Sie also entspannte Waldspaziergänge.







