Die Felsen
Das Herz vom Pfad Zau Zoura liegt vorallem auf Felsen, Geröll und Klippen. Bergwälder entstehen gerne in solch ungemütlicher Umgebung.
Text: Manu Zufferey, Alpenwanderleiter
Nach der letzten Eiszeit bildeten sich aus den feinsten Ablagerungen am Talrand Terassen, welche sogleich vom Menschen genutzt wur-den, um dieses fruchtbare Land zu kultivieren. Die steilen Gebiete mit dem Urgestein blieben dem Wald überlassen, das Herz von Pfad Zau Zoura liegt daher vorallem auf Geröll, Felsen und unzähligen kleinen Klippen. In solch ungemütlicher, mineralischer und häu-fig sehr trockenen Umgebung entstehen Bergwälder, die ein vielfältiges Ökosystem beherbergen und dem Menschen das nötige Holz liefern.
Das hier vorkommende Gestein wird Amphibolit genannt. Es ist im ganzen Wald zu finden, zusammen mit dem Gneis, einem an-deren sehr harten metamorphosen Gestein. In jeder Felsspalte, auf jedem weniger steilen Gebiet ist eine reiche Artenvielfalt zu finden, hingegen in der senkrechten Felswand nur Flechten.
Durch die spektakuläre Blütenzeit im Frühling der Behaarten Primel (Primula hirsuta) kön-nen wir ihren ganzjährigen und ansonsten diskreten Standort entdecken. Sie ist an ihren klebrigen Blättern zu erkennen, welche die Felsspalten schmücken. Die Wurzeln des Gewöhnlichen Tüpfelfarns (Polypodium vulga-re) setzen sich ebenfalls gern in kleinen Spal-ten fest. Vorzugsweise werden seine Knollen gepflückt, wenn er sich in einem Moosbeet wächst, da entwickeln sich seine essbaren Rhi-zome am besten.
Auch wenn sich alle drei Nadelbäume bestens dem schwierigen Gelände anpassen, ist es aber die Zirbelkiefer (Pinus cembra) die an den unmöglichsten Standorten gedeiht. Ihre essbaren Samen sehen aus wie kleine Nüsse, die Bergbewohner lieben sie, ebenso die Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) und die Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes). Diese Tiere sammeln sie als Wintervorrat und verstecken sie vorzugsweise an schwer zugänglichen Plät-zen, welche aber rasch vom Schnee befreit werden können. Auch benutzen sie Steinspal-ten als Klemme, um die Nüsschen zu knacken. Wegen in Vergessenheit geratener Sa-men entstehen dann junge Zirbelkiefern, manchmal an der Seitenflanke. Dieser harzige Samen, dessen Keimung zu Beginn durch die Inhaltsstoffe der Kerne gefördert wird, wächst langsam und benötigt wenig Licht. Er kann sich Zeit lassen, bis er auf ein reicheres Subst-rat stösst, um dann endlich zu gedeihen.
Die Wurzeln der Nadelbäume stabilisieren das Gelände indem sie sich mit einem Holzmantel umgeben. Die Stämme verhindern oder verzögern den Abgang von Felsen. In geringerem Masse beeinträchtigen der Frost und der Tau die Wurzeln und es kann zu Stein-schlag kommen. Wir nehmen hellere Bereiche, kürzliche Steinschläge und Geröllansammlun-gen am Fusse der Felswände wahr.





